Brückenschlag über Raum und Zeit hinweg

Mit einem musikalischen Bogenschlag von Renaissance bis Rock hat das Bläserensemble Hessen Süd
der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in der Höchster Sankt-Martins-Kirche
sein 30-jähriges Bestehen gefeiert.

Noch vor der Begrüßung durch Pfarrer Matthias Forchheim eröffnete das zwölfköpfige Ensemble unter Martin Herrmann den Abend
mit der „Reformationsfanfare“ des Bayreuther Komponisten und bayerischen Landesposaunenwarts Dieter Wendel, um sich anschließend
dem Lutherwerk „Ein feste Burg ist unser Gott“ aus dem Jahr 1529 zuzuwenden, hier dargeboten in einem anspruchsvollen Satz von Johann Sebastian Bach.
Der internationale Ansatz des Konzerts wurde gleich darauf mit der „Canzona Laudate Dominum“ des italienischen Renaisaance-Meisters
Giovanni Croce verdeutlicht, gefolgt von „Tu mit auf die schöne Pforte“ aus dem Jahr 1730, arrangiert von der zeitgenössischen Euphonium-Musikerin
Anne Weckeßer, und der zwischen fröhlichem Tanz und leiser Melancholie changierenden „Humoresque“ des tschechischen Komponisten Antonin Dvořák.



Bläserensemble am 15.01.2017

 


Neben dem vielfältigen Brückenschlag über Raum und Zeit hinweg trug auch der immer wieder einbezogene Gemeindegesang dazu bei, die Vielseitigkeit geistlichen Bläserklangs unter Beweis zu stellen. „Posaunenchöre gehören laut Entscheid der Deutschen Unesco-Kommission von 2016 zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit“, verdeutlichte Ensemble-Leiter Martin Herrmann, der die Formation 2011 übernommen hat und an diesem Abend durch das Programm führte. „Sie gelten als Markenzeichen der evangelischen Kirche, verbinden zugleich Konfessionen, Kulturen und Generationen und vereinen deutschlandweit rund 6 500 Bläsergruppen, in denen 115 000 Menschen musizieren.“ Die klassischen Paul-Gerhardt-Chorale „Ich singe dir mit Herz und Mund“ und „Sollt‘ ich meinem Gott nicht singen“ (Arrangements: Christian Sprenger) wurden anschließend mit dem swingenden Gospelsong „He’s real“ (Satz: Manuel Kolb) kontrastiert, einem modernen persönlichen Glaubensbekenntnis. Für südamerikanisches Flair mitten im deutschen Winter sorgten dagegen der „Samba Cha“ von Michael Schütz – voller Lebensfreude, mit imaginärem Hüftschwung zum Trompetensolo – und das bolivianische „Cochabamba“ (Satz: Enrique Crespo). Beide Songs wurden von den Zuhörern im vollbesetzten Gotteshaus mit ebenso viel Begeisterung aufgenommen wie das leise, schmerzliche „Tears in Heaven“, das der Rock- und Bluesgitarrist Eric Clapton einst seinem früh verstorbenen kleinen Sohn widmete. „Herz und Herz vereint zusammen“ knüpfte als Gemeindegesang wiederum an das religiöse und kompositorische Wirken von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzensdorf und damit an die Region und den nahen Herrnhag an. Nach den Segensworten folgten zahlreiche Zugaben, unter anderem mit „Beautiful“ von Christina Aguilera ein erneuter Beweise der Vielseitigkeit des 30 Jahre jungen Bläserchores, der immer wieder auch in ökumenischer Kombination mit Sängern und Musikern der Gegend zu hören ist. „Genießen Sie diese wundervolle Musik, wo immer Sie ihr begegnen“, ermunterte Dirigent Martin Herrmann zum Schluss, „und wagen Sie es: Erlernen Sie selbst ein Blasinstrument – denn dafür gibt es definitiv keine Altersgrenze.“